Jahresübersicht 2017

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende. Wir wollen dies als Gelegenheit nutzen, um uns bei allen Untersützerinnen und Unterstürtzern ganz herzlich für ihre Unterstützung zu bedanken und über die Vereinstätigkeiten in unseren drei Partnerländern Malawi, Burundi und Togo zu informieren.

In Malawi fanden dieses Jahr theaterpädagogische Workshops über einen Zeitraum von 8 Monaten in den Städten Blantyre und Lilongwe statt. Die Theatermacher Robert Magasa und Maxwell Makandi arbeiteten im Chichiri Prison mit Gefangenen. Die Theaterpädagogin Effi Makepeace führte diese Arbeit im Malawi Bail Project fort, indem sie freigelassene Häftlinge mittels theatraler Workshops an eine Resozialisierung in die Gesellschaft heranführte.

Die KünstlerIn Dipolatuka Katimba und Chimwemwe Munthali gaben im Waisenhaus Adziwa Orphan Care in Lilongwe theaterpädagogische Workshops für Kinder.

Der malawische Schauspieler Mphundu Mjumira spielte am Theater Konstanz die Hauptrolle in der Fassbinder-Inszenierung „Angst essen Seele auf“, die in der Regie von Johanna Schall am 11. Februar 2017 Premiere hatte. Nach fünfzehn ausverkauften Vorstellungen in Konstanz, ging die Produktion auf zweiwöchige Gastspielreise nach Malawi und spielte in Blantyre, Zomba und Lilongwe.

Im Rahmen der Gastspielreise fanden Workshops von malawischen und europäischen Theatermachern zum Thema Diskriminierung und Integration im Luwani Refugee Camp statt. Das Camp liegt im Süden von Malawi in Neno, und beherbergt etwa 3.500 Flüchtlinge aus Mosambik. Aus diesem Workshop entstand eine eigene Theatergruppe im Camp, die sich den Namen Chisomo Drama Group gegeben hat. „Chisomo“ bedeutet auf mosambikanisch „Hoffnung“. In weiterführenden Workshops werden auch Einwohner aus den umliegenden Dörfern eingebunden, um Spannungen zwischen Geflüchteten und malawischen Community Members vorzubeugen. Durch die Vernetzung mit Nanzikambe Arts tritt die Chisomo Drama Group auch auf malawischen Theaterfestivals auf.

In Baden-Württembergs Partnerland Burundi herrscht seit knapp zwei Jahren ein bürgerkriegsähnlicher Zustand. Burundi ist in Aufruhr, seit Präsident Nkurunziza im April 2015 ankündigte, für ein drittes Mandat anzutreten, obwohl die Verfassung Burundis nur zwei Amtszeiten vorsieht. Seitdem wurden bei Protesten und bewaffneten Auseinandersetzungen bislang mehr als 400 Menschen getötet, mindestens 230.000 flohen ins Ausland. Nach einer Festnahmewelle unabhängiger Reporter und Medienvertreter existiert in Burundi keine unabhängige Medienberichterstattung mehr. Weiterführende Informationen zur aktuellen Situation in Burundi finden Sie z.B. hier und in einem Report der FIDH.

Im April 2017 hatte das Stück „Liebe“ von Marchall Rugano eine erfolgreiche Premiere in Bujumbura (Feedback der SEZ und des Botschafters Thomas Strieder). Ruganos trilinguales Stück (Kirundi, Französisch, Deutsch) erzählt in kaleidoskopischen Ausschnitten den Kreislauf von Geburt, Leben, Aufblühen, Lieben und Sterben – und fragt danach, wie ein Ausweg aus der Spirale von Gewalt zu finden ist, die so tief in viele burundische Biographien eingeschrieben ist.

Am 22.5.2017 fanden die fünften Afrikatage in Friedrichshafen statt. Neben der Eröffnungsrede von Herrn Prof. Dr. Dr. Nix führte das Theater Konstanz dort auch die szenische Lesung „Demandez au Président” (Fragen Sie den Präsidenten) auf. Der Text stammt von Rafael David Kohn, der auf Basis seiner Reisen und Recherchen dieses Stück geschrieben hat. Das Kammerspiel zeichnet ein differenziertes Bild der aktuellen Lage in Burundi.

Im Oktober 2017 brachten burundische Schauspieler und deutsche Kollegen die viersprachige Komödie „Die Farbe des Lachens“ und ein Klassenzimmerstück in der Regie von Clemens Bechtel auf die Konstanzer Bühne. Die Premiere war der Höhepunkt des Kooperationsprojektes „Comédie? Humaine 21st“, in dem sich TheatermacherInnen aus beiden Ländern gemeinsam mit SchülerInnen und Theaterpädagoginnen aus Bujumbura und Konstanz mit Komik und Komödien auseinandersetzten: Wie bringt man jemanden zum Lachen? Was kann dieses Lachen auslösen und in welchen Situationen kann ein Lachen befreien? Besonders in der momentan explosiven politischen Lage in Burundi hat dieser Aspekt des Theaters eine ganz besondere Bedeutung und stellt auch unser europäisches Verständnis von „Humor“ und „Leichtigkeit“ in Frage.