Jahresübersicht 2018

Ein Jahr mit spannenden Projekten liegt hinter uns: Das war vor allem durch die Hilfe zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer möglich, weshalb wir uns zuallererst ganz herzlich bei allen bedanken wollen!

Die größte Herausforderung für all unsere Kooperationspartner*innen in Afrika ist die fehlende Infrastruktur: Räume für Theateraufführungen und -proben gibt es eigentlich nicht und Veranstaltungsorte in Hotels, Kongresszentren etc. sind unbezahlbar. Deshalb ist es Theater in Afrika e.V. ein Anliegen nicht nur die Projekte selbst zu unterstützen und zu ermöglichen, sondern auch eine Infrastruktur für unsere Kolleg*innen zu etablieren.

In Malawi bauen Nanzikambe Arts derzeit ein Freilufttheater in der Nähe von Blantyre, das zum Ende des Jahres fertiggestellt wird und direkt mit einer Premiere gefeiert werden soll. Heide Lüttig war im Sommer in Malawi unterwegs und hat sich ein eigenes Bild von den Fortschritten gemacht: „Dort traf ich u.a. auf Chris Nditani (Mitglied bei Nanzikambe Arts), der sich sehr aufgeschlossen und erfreut zeigte über meinen Besuch und mit Stolz die Fortschritte präsentierte. Nachdem ich die Gelegenheit hatte, ein zweites Mal während meines Aufenthaltes das Gelände zu besuchen, konnte ich mich selbst von den gut fortschreitenden Aktivitäten überzeugen. Nanzikambe Arts wird, vorausgesetzt alles kann nach Plan fertiggestellt werden, im Dezember mit der ersten Premiere starten. Welches Stück gespielt wird, war noch nicht bekannt. Problematisch ist im Moment noch die Zufahrt zum Gelände, Parkplätze stehen begrenzt zur Verfügung. Momentan gibt es nur einen Fußpfad dort hin. Nanzikambe Arts hofft u.a. auf Unterstützung der Stadt Blantyre, eine entsprechende Anbindung zu bekommen. Es sollen noch Büroräume entstehen. Außerdem sollen weitere Theatergruppen eine Möglichkeit bekommen dort aufzutreten. Die Zuschauertribüne ist ausgelegt für ca. 100 Gäste und liebevoll gestaltet.“

Auch in Togo wird gerade ein ähnliches Projekt initiiert: Ramses Alfa wird ein Haus erwerben, das sich in Lomé als Theater- und Kunstort etablieren soll. Dieses Projekt ist dank großzügiger Spenden einzelner Personen überhaupt erst zu realisieren!

In Malawi haben im Laufe des vergangenen Jahres regelmäßig Workshops im Luwani Refugee Camp stattgefunden. Mphundu Mjumira hat gemeinsam mit Felistas Kamuloni und Maxwell Makande mit der Chisomo Drama Group, die sich aus einer Gruppe mosambikanischer Geflüchteter formiert hat, gearbeitet. Obwohl sie mittlerweile (aus politischen Gründen) nach Mosambik zurückgekehrt sind, treffen sich die Mitglieder der Gruppe weiterhin und das Workshopteam ist fest entschlossen in diesem Bereich weiterzuarbeiten, da die gemeinsamen Workshops einen positiven Effekt auf das Selbstbewusstsein der Beteiligten hatten. Die englische Theaterpädagogin Effie Makepeace arbeitet weiterhin mit der Theatergruppe Nkokwhe Arts, die sich aus Ex-Häftlingen des Chichiri Prison zusammengesetzt hat – aktuell an einem Theaterprojekt, das die Folgen der Abrodung für unsere Umwelt und das Klima thematisiert.

Forumtheater nach Augusto Boal „ist eine Methode des Empowerments: Eine Zielgruppe, die wiederholt gesellschaftliche Benachteiligung erfährt, wird befähigt, die eigenen Interessen und Ziele zu konkretisieren und souverän für diese einzustehen. Im Prozess der theatralen Bearbeitung nimmt der von der Thematik Betroffene verschiedene Perspektiven ein und erweitert sein Handlungspotenzial. Darüber hinaus bekommen Personen, die zuvor wenig Einblick in die Problematik der Zielgruppe hatten, ein tieferes Verständnis für deren Situation“ (http://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/kulturelle-bildung/60265/forumtheater?p=all). Im August 2018 hat sich Désiré Tuyishemeze in Bujumbura mit Schauspieler*innen verschiedener Theatergruppen gemeinsam dieser Methode genähert. Der Workshop verlief sehr erfolgreich und die Beteiligten können das Forumtheater nun als Multiplikator*innen in ihre Gruppen weitertragen. Das Theater Konstanz plant gerade eine Workshop-Reihe dazu mit verschiedenen Zielgruppen in Konstanz und strebt eine Kooperation mit Désiré Tuyishemeze an.