Eine persönliche Einschätzung einer Situation ohne Anspruch auf Objektivität

von Jörg Dathe

Niedrig gilt das Geld auf dieser Erden. Und doch ist sie, wenn es mangelt, kalt und sie kann sehr gastlich werden, plötzlich durch des Gelds Gewalt. (Bertolt Brecht)

Während wir alle am ATM Geld ziehen, was ziemlich lange dauert, weil man immer nur 150 Euro in malawische Kwacha umtauschen kann, hat sich eine lange Schlange aus uns deutschen Touristen und wenigen Schwarzen gebildet. Wir brauchen halt Geld für die Safari.

Ich weiß, dass viele im Konstanzer Theater schon über wesentlich mehr Erfahrung in Malawi und überhaupt in Afrika verfügen, trotzdem möchte ich ein paar Beobachtungen und Gedanken äußern, die ich/wir während unseres kurzen Aufenthaltes in Malawi gewonnen haben.

Nur utopische Spinnerei
Vielleicht gelingt es ja, persönliche Verbindungen zu einzelnen uns bekannten Personen aus Deutschland herzustellen. Vielleicht sind sie auch daran interessiert, den Freunden in Malawi mal einen Besuch abzustatten. Ein Reisebüro in Konstanz, das ausschließlich Reisen nach Malawi anbietet: Mphundu Tours. Am Malawisee lässt es sich ja hübsch sein. Der Bus von Chfundu wird gemietet und Mphundu macht den Reiseleiter? Scherz!

Wie geht es weiter mit den Theaterprojekten?
Fakt ist, wenn man schon von anderen Dingen vor Ort nicht leben kann, dann mit Sicherheit nicht von Theater. Die Gelder die vom Verein in die Theaterprojekte und Workshops fließen, sichern kurzzeitig die Existenz unserer Kollegen. Deshalb finde ich es gut, regelmäßig kleinere Beträge in diese Projekte fließen zu lassen und damit mehrere unserer Kollegen immer wieder zu unterstützen, obwohl am Ende möglichicherweise wenig „Nachhaltigkeit“ (tolles deutsches Wort) entsteht. Das Geld unterstützt halt nur die momentane Lebenserhaltung.

Ob man vor Ort ein Theatergebäude bauen kann und sollte, weiß ich persönlich nicht. Es verursacht auf jeden Fall wesentlich höhere Kosten und befindet sich dann nur an einem einzigen Ort. Aber, dass die Leute kein Geld mehr für Räumlichkeiten und Probenmöglichkeiten ausgeben müssen, ist natürlich auch nicht von der Hand zu weisen.

Alle sind darauf extrem angewiesen, wenn nicht sogar abhängig.
Die Frage kommt eben immer wieder auf, wie lange kann man so eine Hilfe aufrechterhalten? Wahrscheinlich so lange man es kann und dann kommt hoffentlich der Nächste. Vorher waren es ja auch die Norweger. Besser als nichts mehr tun! Irgendwie fühlt man sich nach der Reise auch extrem verpflichtet. Einer der Kollegen sagt im Bus am vorletzten Tag zu mir: „Wenn ihr weg seid, fallen wir in ein tiefes Loch.“

Auf jeden Fall bin ich dafür, dass wir uns möglichst mit moralischen Beurteilungen zurückhalten! Besser ist es, die Unterstützung und Solidarität nicht aufzugeben und wenn irgendwie möglich, noch mehr Leute zu finden, die sich freiwillig daran beteiligen wollen.